Amtsgericht Merseburg

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Gelegentlich arbeite ich auch mal außerhalb, heute zum Beispiel in einer mündlichen Verhandlung beim Amtsgericht in Merseburg. Merseburg ist eine Stadt mit rund 34.000 Einwohnern, das sind etwa 20% der Größe von Berlin-Neukölln, in der Nähe von Halle und Weißenfels in Sachsen-Anhalt, 200 km südlich von Berlin. Über die A9 braucht man zwei bis zweieinhalb Stunden, dann noch etwas durch Stadtverkehr, abbiegen in die Geusaer Straße und dann, beim „Platz des Bausoldaten“, erreicht man das Gericht. Von außen ein wenig auffallendes Gebäude. das man übersehen würde, stünde nicht in großen Buchstaben quer über die gesamte Fassade AMTSGERICHT. Ansonsten könnte es auch eine Schule sein, es liegt sogar direkt neben einem Sportplatz:

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Am Eingang befindet sich die übliche Sicherheitsschleuse, wobei uns Anwälten das Durchsuchen der Taschen nach Waffen etc. immerhin erspart bleibt. Dann eine Neuerung: es liegt eine Corona-Liste aus. In die muß sich jeder Besucher des Gebäudes eintragen, zwecks Nachverfolgbarkeit. Der Richter hatte den Termin freundlicherweise auf Mittags gesetzt, vielleicht damit ich Berliner Anwalt nicht zu Nachtstunden zu Hause aufbrechen muß. Es war jedenfalls kaum Betrieb und ging am Eingang schnell.

Dann der Weg Richtung Sitzungssaal:

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Dem Berliner Anwalt fällt auf, daß die Terminaushänge neben den Türen auf Displays dargestellt sind, sogar in Farbe. Das ist bei den Berliner Gerichten anders: Klemmbrett mit Ausdruck, nachträgliche Änderungen handschriftlich. Das Berliner Modell hat Vorteile, wenn die Computer von Viren befallen sind oder gehackt werden. Außerdem altern Monitore und müssen, insbesondere wenn sie wie hier im Dauerbetrieb laufen, sicher alle paar Jahre ausgetauscht werden. Da fragt sich schon, was umweltverträglicher ist. Bequem für die Gerichtsverwaltung und modern ist so ein Display aber allemal. Als Berliner ist man da doch etwas beeindruckt, daß das hier quasi auf dem Land so geht, in der deutschen Hauptstadt aber nicht.

Im Saal dann die üblichen aktuellen Abstandsregeln, bei der Öffentlichkeit:

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ebenso wie in Richtung Richterbank:

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Auch in diesem Punkt sind wir in Berlin etwas altmodischer: wir tragen alle Masken. Eine Zeugenvernehmung mit Maske habe ich noch nicht erleben dürfen, aber es ist auch ohne Zeugen komisch, wenn sich alle Beteiligten durch Masken hindurch unterhalten.

Am AG Merseburg ist der Richtertisch zum Saal hin durch eine Plexiglasscheibe getrennt. Auch zwischen dem Richter in der Mitte und dem Protokollführer – auf dem Bild rechts – gibt es eine Plexiglasscheibe. Die Anwälte sitzen 3 bis 4 m voneinander getrennt, die Fenster sind geöffnet – so bleibt allen Beteiligten die Maske erspart und man kann wie gewohnt miteinander verhandeln.

Es ist doch gut, wenn man hin und wieder einmal aus der gewohnten Umgebung rauskommt und sieht, mit welchen Lösungen andere ihren Alltag gestalten.