Interview mit Tanja Kamp

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Frau Kamp, Sie sind Mitinhaberin der Agentur „Berlins neue Kinder“, die sich auf Imagefilme und Imagekampagnen für Unternehmen spezialisiert hat. Was muß man sich darunter konkret vorstellen?

Wir mischen durch bewegte und bewegende Bilder Branchen auf, indem wir mit unseren Videos und Kampagnen Geschichten über Unternehmen erzählen, die anders sind als geläufige Schlagzeilen oder allgemein bekannte Klischees. Wir zeigen Unternehmen, wie sie sich im Internet und vor allem auf den Sozialen Medien präsentieren können, um auch in 5 Jahren so erfolgreich zu sein wie sie es jetzt sind.

Ein Unternehmen ist mit seinen Mitarbeitern, seinem Produkt oder seiner Dienstleitstung und seiner ganz eigenen Handschrift Stoff für ein wunderbares Drehbuch. Mit dessen Hilfe lassen sich Meinungen ändern, Verkäufe steigern und Interessen wecken. Da ist es naheliegend, dass Unternehmen an der Entwicklung eines solchen „Drehbuchs“ maßgeblich beteiligt sein sollten, als es eines Tages von Journalisten der Tagespresse geschrieben zu sehen.

Wir entwickeln allerdings nicht nur solche „Drehbücher“ für Filme und Imagekampagnen, wir setzten sie auch um oder befähigen Mitarbeiter unserer Kunden dazu, selbst Inhalte passend zum „Drehbuch“, also zur Sprache des Unternehmens, für ihre Social Media Kanäle, ihren Blog/Podcast oder die Website zu produzieren.

Wie klein oder groß muß das Unternehmen sein, damit ein solcher Film oder eine solche Kampagne Sinn ergibt?

Im Grunde genommen ist es egal, wie groß ein Unternehmen ist. Geschichten, die es wert sind erzählt zu werden, gibt es überall da, wo Menschen sind. Da wir uns allerdings je nach Produkt – ganze Kampagne oder einzelne Filme – sehr ausführlich mit dem Kunden und seinem Unternehmen beschäftigen, ist es für die Kommunikation gewinnbringender, wenn es bereits eine Marketing-Abteilung mit einem oder mehreren Mitarbeitern gibt.

Welchen Mehrwert hat das für das Unternehmen?

Wir verstehen die Rebellen und Aktivisten von heute. Die, die das Schicksal dieser Erde nicht mehr der Politik und Wirtschaft überlassen wollen und welche die Entscheider von morgen sind. Wir sind nämlich selbst diese Menschen. Wir wissen, wie und wo die junge Zielgruppe angesprochen werden muss, sodass Interesse und offene Kommunikation entstehen kann.

Viele Branchen haben zur Zeit bei den Entscheidern von morgen einen schlechten Stand. „Umwelt verschmutzend, profitgeil, zu konservativ“.

Wir helfen Unternehmen dabei, ein Drehbuch für ihre Außenkommunikation zu entwickeln, welches sie von einer anderen Seite zeigt. Von einer Seite, die Interesse, Verständnis und Begeisterung für die Branche neu entfachen lässt und sich gegen polarisierende Zeitungsschlagzeilen und TV-Beiträge positioniert. Starke Bilder und starke Meinungen sind im heutigen Zeitalter alles! Es ist wirklich wichtig, daß Branchen maßgeblich an der Meinungsbildung über ihr Fachgebiet beteiligt sind, um nicht eines Tages eine böse Überraschung zu erleben.

Können Sie uns dafür ein Beispiel nennen?

Ja, klar, jede Menge. Denken Sie zum Beispiel an den Konzern Philip Morris, oder an die BILD-Zeitung. Noch bis vor ein paar Jahren war rauchen eins der coolsten Dinge, die es gab. Jeder wird sich an den coolen Marlboro-Mann erinnern, der mit Cowboy-Hut und Pferd durch die Wüste ritt.

Heute sind Raucher die Personen, die bei Regen und Kälte wie eine eng zusammen gedrückte Pinguinfamilie vor öffentlichen Gebäuden stehen müssen. Philipp Morris musste Mitarbeiter entlassen, junges Fachpersonal blieb lange aus und das Vertrauen in die Marke sank. Erst als der Konzern eine groß angelegte Marktanalyse startete und begann, seinen Kunden zuzuhören, kam das Vertrauen in die Marke durch die Entwicklung der Iqos wieder zurück.

Bei der BILD-Zeitung ist es ähnlich. Sie war und ist die auflagestärkste Zeitung in Deutschland. Doch sinken die Leserzahlen in den letzten Jahren massiv! BILD dir deine Meinung ist Programm geworden, nur leider zum Nachteil derjenigen, die diesen Werbeslogan entwickelt haben.

Was konkret können Sie für Unternehmen aus der Immobilienbranche tun?

Der Immobilienbranche droht ein ähnliches Schicksal wie Philip Morris oder der BILD.

Das müssen Sie mir erläutern.

Das Klischee des Anzug-Trägers und Miethais gab es schon immer, aber dank des Mietendeckels verhärten sich die Fronten immer mehr. Mieter und Vermieter verlieren den Kontakt zueinander – kommuniziert wird nur noch über Anwälte oder in aufgeladener Stimmung. Was bedeutet, dass eine offene unvoreingenommene Kommunikation nicht mehr möglich ist. Das ist das schlimmste, was einer Branche passieren kann. Denn gute Kommunikation bedeutet Verständnis durch Information und Respekt.

Die Immobilienbranche muss den nahen Kontakt zu ihren Kunden suchen und an ihrem Image arbeiten. Die Sozialen Medien sind ein Raum, in dem nicht nur direkte Kommunikation stattfinden kann, sondern auch Informationen, Erlebnisse und Geschichten geteilt werden können. Ein perfekter Ort, um das eigene Image zu verbessern und den Menschen dort zu begegnen, wo sie sich aufhalten und sicher fühlen. Das können die Unternehmen mit uns erreichen.

Ok. Bitte schildern Sie uns, wie ein Imagefilm mit Ihnen entsteht?

Nachdem uns ein Unternehmen beauftragt hat, erstellen wir anhand eines Fragebogens und einem persönlichen Gespräch ein Konzept. Je nach gewünschten Drehorten und Personen, die porträtiert werden sollen, dauert das ca. 1-2 Tage.

Sobald der Kunde damit zufrieden ist, machen wir den vor der Kamera agierenden Menschen Vorschläge, wie wir sie inszenieren möchten, und erarbeiten Interviewaussagen. Gerade bei Ungeübten ist es sehr wichtig, dass sie sich wohl in ihrer Haut und mit ihren Aussagen vor der Kamera fühlen. Hier findet die Kommunikation entweder mit der Marketing-Abteilung statt oder mit den Mitwirkenden selbst.

Danach drehen wir 1 bis 2 Tage bei und mit dem Unternehmen. Hier ist es besonders wichtig die täglichen Arbeitsabläufe so wenig wie möglich zu stören und doch Bilder zu bekommen, die so nah wie möglich am Geschehen eines Unternehmens dran sind. Hier setzten wir auf eine offene und transparente Kommunikation, mit der wir bisher sehr gute Erfahrungen gemacht haben.

Nach dem Dreh gehen wir in die Postproduktion für ca. 2-4 Tage. Ein Imagefilm braucht somit von der Konzeption bis zum fertigen Film 5-8 Tage.

Und wie geht es dann anschließend weiter? D.h. wie sieht so eine Kampagne konkret aus?

Der Unterschied zwischen einer Kampagne und einem einzelnen Film liegt darin, dass man in einem Imagefilm die Geschichte eines Unternehmens in einen einzigen Film verpackt. Hier geht es darum, in kurzer Zeit auf spannende und emotionale Art und Weise zu zeigen, was ein Unternehmen ausmacht. Das, was Imagefilme leisten, ist es, ein Interesse am Unternehmen zu wecken und sich kurzfristig positiv zu positionieren.

Wenn es allerdings um eine langfristige Imageverbesserung, Imageänderung, Mehrverkäufe oder das Erschließen einer neuen Zielgruppe gehen soll, empfehlen wir eine Kampagne. Unser Einsteigerprodukt ist eine Social Media Kampagne mit einem Ausspielungszeitraum von einem Monat. Der Drehaufwand im und für das Unternehmen liegt wie beim Imagefilm bei ca. 2 Tagen. Doch wird dann nicht Material für einen längeren Film gedreht, sondern für bis zu zehn Kurzfilme. Darüber hinaus werden Fotos und Interviews gemacht, sowie Informationen für grafische Posts gesammelt.

Je nach Bedarf veröffentlichen wir die Kampagne für das Unternehmen oder reichen das Material an den Kunden weiter. Eine Erfolgsanalyse und Betreuung der Kampagne gehört natürlich auch dazu. Auf diese Art und Weise können sich Kunden an die Sozialen Medien herantasten und können das Maß an Kontrolle und Beteiligung an diesen Maßnahmen frei wählen.

Mit welchem zeitlichen Vorlauf muß man bei Ihnen rechnen, wenn man Sie erstmals anruft und ein mögliches Filmprojekt besprechen möchte?

Nach einem positiven Erstgespräch kommt ein Mitglied unseres Teams innerhalb von ein paar Tagen vorbei, um Wünsche und Vorstellungen abzustecken und ein Gefühl für das Unternehmen zu bekommen. Wir stellen die Produkte vor, von denen wir glauben, dass sie zu den Wünschen unseres Kunden passen, und entscheiden uns dann gemeinsam für einen weiteren Weg.

Falls beim telefonischen Erstgespräch dem Kunden schon sehr klar ist, worum es gehen soll (Beispiel: 1 Film für die Website sowie Linkedin, der das neue Frühjahrsprodukt in Szene setzt), können wir über einen Fragebogen, den der Kunde zugeschickt bekommt, alle weiteren Details klären und bereits ein erstes Konzept erstellen. Hier passen wir uns den Bedürfnissen der Kunden an und holen sie bestmöglich an ihrem Entwicklungsstandpunkt ab.

Was unterscheidet Sie von anderen Filmagenturen?

Bei uns ist der Name Programm. Berlins neue Kinder betrachtet Unternehmen und Branchen durch die Augen von Kindern – unbedarft, frei von Vorurteilen, neugierig und immer auf der Suche nach dem Besonderen!

Die Erstellung von Medienprodukten ist bei vielen Branchenpartnern Fließbandarbeit und Massenproduktion geworden. Es gibt keinen Raum mehr für Kreativität und Innovation. Wir dagegen nehmen uns Zeit, um eine Geschichte und eine Sprache für Unternehmen zu entwickeln, die ihre Essenz authentisch und hochwertig transportiert.

Man nennt uns vielleicht größenwahnsinnig, aber wir wollen zusammen mit unseren Kunden wirklich etwas verändern auf dieser Welt.

Woher kommt eigentlich Ihr Firmenname?

Berlins neue Kinder war zuallererst ein Podcast, der über Berlin-Klischees sprach und Menschen vorstellte, die über den Tellerrand blicken. Der Podcast hat sich nicht durchgesetzt, aber dafür eine Agentur, die von 3 Zugezogenen gegründet wurde und sich deshalb „Berlins neue Kinder“ nannte.

Der Name soll uns und alle anderen daran erinnern, das eigene innere Kind nicht zu vergessen und die Welt manchmal durch seine Augen zu betrachten. Ganz nach dem Motto: Als das Kind Kind war, spielte es mit Begeisterung. Und genau so machen wir auch unsere Filme.

Frau Kamp, vielen Dank daß Sie sich die Zeit für das Interview genommen haben.